NORBERT WOLLSCHLÄGER

IN DER HITZE DES KALTEN KRIEGES

ROMAN

Berlin im Juli 1952. Wochenlang Sonnenschein und wolkenlos blauer Himmel. Der Eindruck eines friedlichen Sommers täuscht. In der geteilten Stadt herrscht Kalter Krieg. Aus den vier Siegermächten über Nazideutschlandsind Feinde geworden. Amerikaner, Briten und Franzosenführen Krieg gegen die Russen und umgekehrt bekämpft der Ostblock die Westmächte. Es ist ein Kampf mit Worten und Waffen, mit Subversion, Sabotage, Spionage und mit Menschenraub. Entführungen von politischen Gegnern finden im Wochentakt statt. Der Kalte Krieg hält die Stadt fest im Griff und prägt das Leben der Menschen bis weit hinein in ihre Privatsphäre.

 

Für Schulkinder ist der Konflikt zwischen Ost und West so normal geworden wie Klassenarbeiten oder Wandertage. Die Kinder sind häufig auf sich allein gestellt, übernehmen Aufgaben von Erwachsenen und sind ständige Augenzeugen der Vorkommnisse auf den Straßen. Der Roman beschreibt das dramatische politische Geschehen in Berlin, die unaufhörliche Flut der Flüchtlinge aus der Ostzone sowie den Alltag der Menschen, bekannter und weniger bekannter. Am 8. Juli 1952 ereignet sich das spektakulärste politische Verbrechen jener Jahre. DerJurist Walter Linse wird in West-Berlin entführt und in den Ostteil der Stadt verschleppt. Die Stadt ist in hellem Aufruhr und fordert Vergeltung.

 

Wie mit einer laufenden Kamera erlaubt der Roman den Lesern einen Blick in die Wohnzimmer und Küchen der Protagonisten und folgt ihren Wegen über Sektorengrenzen hinweg in die Schattenwelt der Geheimdienste. Die Leser begleiten den Kriminalassistenten bei der Jagd nach den Entführern, sitzen wie teilnehmende Beobachter mit am Schreibtisch des Regierenden Bürgermeisters und im Büro des Polizeipräsidenten, in Zeitungsredaktionen und auf harten Schulbänken. Sie harren misstrauisch aus in Wartezimmern von sondernbaren Menschenrechtsorganisationen, hocken in Lieferwagen, gestohlenen Taxis und in Straßenbahnen, essen zu Mittag in stadtbekannten Restaurants, erkunden Ruinen, besuchen Polizeireviere und das nahe, stets überfüllte Sommerbad. Packender sind die Entführung Walter Linses und der Alltag des Kalten Krieges in Berlin nicht beschrieben worden.

„Hier ist ein Mensch aus unserer friedlichen Mitte geraubt worden,

überfallen worden, niedergeschlagen worden, in ein Automobil geschleppt

und hinausgefahren worden in die Folterhöhlen dieser Verbrecher.

Er muss uns zurückgegeben werden! Das fordern wir!"                 

Ernst Reuter

am 10. Juli 1952  auf einer Protestdemonstration vor dem Rathaus Schöneberg